Kooperation Kindergarten - Grundschule

Kinder sind hoch motiviert, wenn sie in die Schule kommen und meistern den Eintritt in diesen neuen Lebensabschnitt in der Regel gut. Insbesondere wenn sie auf vielfältige Erfahrungen und Kompetenzen aus ihrer Zeit in der Tageseinrichtung zurückgreifen können. Aufgabe der Tageseinrichtungen ist es daher, die Kinder langfristig und durch angemessene, zielgerichtete Bildung und Erziehung auf den Übergang vorzubereiten. Aufgabe der Schule ist es, Lehrplan und Unterrichtsangebote so differenziert auszugestalten, dass jedem Kind die bestmögliche Förderung nach seinem Entwicklungsstand zuteil werden kann. Um diesen Transitionsprozess erfolgreich zu gestalten, bedarf es des regelmäßigen Dialogs und der Abstimmung zwischen Tageseinrichtungen und Schulen.

 

 

Themenübergreifende Bildungs- und Erziehungsperspektiven

Im 2005 eingeführten Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder bis zur Einschulung enthält der Abschnitt "Themenübergreifende Bildungs- und Erziehungs-perspektiven" Ausführungen zu den Übergängen von Kindern und zur Frage der Konsistenz im Bildungsverlauf (Transitionen).  Im Kapitel 6.1 des Plans sind jeweils Leitgedanken, Ziele und Anregungen zur gemeinsamen Übergangsbewältigung und Begleitung praxisnah dargelegt. 

 

 

Vorkurs "Deutsch 240"

In Bezug auf sprachliche Integration und Verbesserung der Teilhabechancen ist das im Schuljahr 2001/02 erstmals eingeführte und im Schuljahr 2008/09 auf einen Umfang von 240 Stunden erweiterte Vorkurskonzept "Deutsch 240" in wesentlicher Beitrag zum Gelingen von Transitionsprozessen, insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund. In Vorkursen werden Kinder in Kooperation von Kindergarten (und Kindertageseinrichtungen für Kinder, die Kinder im Vorschulalter aufnehmen) und Grundschule in den letzten eineinhalb Jahren vor Schulbeginn beim Erwerb der deutschen Sprache unterstützt.

 

Warum vorschulische Sprachförderung?

Mit dem Ziel einer möglichst frühzeitigen, nachhaltigen und intensiven Sprachförderung zur Erhöhung der schulischen Erfolgschancen bei Schülern mit Migrationshintergrund wurden seitens der Staatsregierung Vorkurse eingerichtet.
Pädagogisches Personal in Kindertagesstätten und Lehrkräfte der Grundschulen bieten gemeinsam eine gezielte Sprachförderung für die Kinder, für die die Besorgnis besteht, dass sie dem Schulunterricht ohne weitere Förderung nicht folgen könnten. Diese Kooperation kann den Kindern den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule sehr erleichtern.

 

Prozedere

Um den Bildungserfolg der Migrantenkinder bereits von Schulbeginn an gleichermaßen sicher zu stellen, wird im vorletzten Kindergartenjahr die deutsche Sprachkompetenz überprüft.

Bei Defiziten findet wöchentlich eine zweistündige Förderung durch die Erzieherinnen im jeweiligen Kindergarten statt.

Im letzten Kindergartenjahr erhalten diese nichtdeutschen Kinder weiterhin zwei Stunden „Deutsch“ auf spielerische Art und Weise und zusätzlich an der kooperierenden Grundschule einen „Vorkurs Deutsch“ mit drei Wochenstunden von einer Lehrkraft. Dabei sollen durchschnittlich acht bis zehn Migrantenkinder eine überschaubare Gruppe bilden, um einen hohen Kommunikationsanteil zu ermöglichen.

Der Vorkurs Deutsch besteht stets aus einer sehr gemischten, heterogenen Sprachlerngruppe, in der Kinder unterschiedlichster Nationalität miteinander und voneinander lernen.



Definition: „Schüler mit Migrationshintergrund“

Laut Florian Burgmaier und Angelika Traub von der Qualitätsagentur am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung wird für die Erfassung  nunmehr neben der Staatsangehörigkeit auch die Sprache im Haushalt, das Geburtsland unddas Jahr des Zuzugs mit einbezogen.
Weiterhin führen sie an, dass die PISA-Studie auch für in Deutschland geborene und für Deutsch sprechende SchülerInnen mit eingewanderten Eltern Kompetenzdefizite aufzeigt. Deshalb sollte aus bildungsrelevanten Gesichtspunkten eine generationenübergreifende Erfassung des Migrations- hintergrundes zugelassen werden.

 

Inhaltliche Umsetzung

Die Schaffung von möglichst vielfältigen Sprechanlässen ist Voraussetzung für ein gutes Gelingen des Vorkurses. Deshalb erstellen die Lehrkräfte einen Jahresplan, der wesentliche Themen aufgreift, die für Vorschulkinder interessant und relevant sind: z.B.

  • Tiere
  • Blumen und Bäume
  • Jahresfeste


Wichtig ist dabei die richtige Einübung von Einzahl (Singular) und Mehrzahl (Plural) sowie der richtige Begleiter (Artikel) bei Namenwörtern (Nomen). Passende Tunwörter (Verben) und Wiewörter (Adjektive) werden dazu gelernt.

Weiterhin wird auf Wortschatzerweiterung Wert gelegt, die sich an den Themen und Inhalten der ersten Klasse orientiert (v. a. aus dem Fachbereich „Heimat- und Sachunterricht“): z. B.

  • Gegenstände des Schulranzens und des Federmäppchens
  • Körperteile und Sinnesorgane
  • Kleidung
  • Zeit: Jahr, Monat, Tag, Stunde

Daneben bleibt viel Platz für „literacy“, was soviel bedeutet wie Aufbau einer Lesefreude. Es wird vorgelesen und nacherzählt oder zu Bildern in Büchern eigene Geschichten verfasst.

 

 

Bayerische  Bildungsleitlinien (BayBL)

Nachhaltige Bildung setzt voraus, an allen Bildungsorten Kontinuität und Anschlussfähigkeit in den Bildungsprozessen des Kindes herzustellen und Brüche im Bildungsverlauf zu vermeiden. Die Bayerischen Bildungsleitlinien ebnen dafür den Weg, indem sie die Basis schaffen für einen konstruktiven Austausch aller Bildungsorte und so der Praxis ermöglichen, noch besser aneinander anzuknüpfen. Die Bayerischen Bildungsleitlinien verstehen sich zugleich als Grundlage für die Umsetzung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans, auf dessen Basis sie entstanden sind.